Der Baum, die Zehenspitzenstellung und das Andreaskreuz und die Zentrierung im Herzbereich

Der Baum – tadasana

Der Baum und die Zentrierung von Außen nach Innen

Der Baum ist eine Gleichgewichtsübung. Die Wirbelsäule ist im Baum die zentrale Achse der Aufrichtung. Indem man mit der Aufmerksamkeit nach außen offen und wach bleibt, kann man besser das Gleichgewicht zwischen innen und außen aufrechterhalten.

Im Baum kann man eine Bewegung von außen nach innen, vom äußeren Raum hin zu den gefalteten Händen erleben. Man stellt sich dafür eine große zentripetale Bewegung vor, die sich zunehmend verkleinert, und sich am Ende im Herzen zu einem Mittelpunkt zentriert. Diese Bewegung aus dem Umkreis, die sich schließlich im Herzen zu einem Mittelpunkt sammelt wird durch die Armgeste im Baum sichtbar. Aus dieser Vorstellung der großen zentripetalen Bewegung heraus, kann man in der Brustwirbelsäule vor dem Herzen ein Zentrum erleben. Als weiteres Ergebnis kann man auch die Wirbelsäule leicht und freier aufrichten und das Gleichgewicht halten.

“Diese Stellung mit abgewinkeltem Bein, die ebenfalls noch in leichteren Variationen entwickeln ist, gibt durch ihre Gleichgewichtslage eine erste, auf der Körperebene erfahrbare Einkehr in die Herzmitte.”(Heinz Grill, Kosmos und Mensch, S.233)

“Dieser allgemeine Zustand des Offenseins wird durch die ausgebreiteten Arme in der Vorphase der Übung dargestellt. Schießlich aber formt sich das Bewusstsein zentrierter, der Körper hält das Gleichgewicht und die Arme und die Hände bewegen sich als Geste der Sammlung und Bewusstheit zur Mitte und bilden ein eigenes Zentrum, ein Ich.” (Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga)


Eine fortgeschrittene Variation des Baumes

Indem man die Arme erst gestreckt nach oben führt, dann mit den Armen und dem Oberkörper nach unten beugt, in eine vorwärtsbeugende Haltung und schließlich das eine Bein abwinkelt und auf einer Zehenspitze das Gleichgewicht sitzend behält, kann man den Baum in einer fortgeschrittenen Variante ausführen.


“Eine besonders angenehme Erfahrung eröffnet diese Stellung, wenn sie nach einigen Sekunden des Haltens wieder auf gleichem Wege zurück in die Ausgangsstellung des Baumes geführt wird, Das Aufrichten in die stehende Position fördert die Wahrnehmungsfähigkeit des Zentriertseins im Rücken bei sorgfältiger Bewahrung der Bewusstheit des äußeren Raumes. Der äußere Raum der Gedanken wird immer ein innerer Raum des Gleichgewichts und dieser bildet das Ich im Menschen.” (Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga)


Der Baum: Eine ergänzende Übung zur Zentrierung der Wirbelsäule

Der Baum mit anschließendem nach vorne Beugen und wieder Aufrichten, bewirkt eine Zentrierung und ein Erleben der Wirbelsäule und  sogar ein erstes Empfinden der Energiezentren, der Chakren, die an der Wirbelsäule verankert sind. Die Yogaasana kann im Allgemeinen das Erleben der Wirbelsäule als zentrale Achse förderlich beeinflussen.Während dieses Aufrichtens der Wirbelsäule erlebt der Übende die zentrale Achse seines Körpers.


Die Zehenspitzenstellung und die Zentrierung im Herzbereich

Indem man in der Zehenspitzenstellung den Rücken bzw. die Wirbelsäule in das Bewusstsein nimmt und beobachtet, kann sich der Rücken leichter aufrichten. Man sitzt aufgerichtet auf den Zehenspitzen und erlebt eine starke Metrik der Haltung, das Oben, das Unten, die linke und die rechte Seite. Dann faltet man die Hände zur Mitte vor dem Herzen. Es ensteht eine Zentrierung im Herzbereich und eine Ruhe.

Dabei besteht ein interessanter Zusammenhang zur Wirbelsäule. Der Rücken und insbesondere die Wirbelsäule rückt bildhafter und bewusster mit ihrer Aufrichtung in die Empfindung. Bei dem bildhaften Erleben empfinder der Übende seinem Körper bildhaft, er steht ihm wie einem Bild gegenüber. Als Ergebnis dieser bildhaften Wahrnehmung entsteht, wie Heinz Grill in der Seelendimension des Yoga beschreibt, Ruhe und Innerlichkeit.

“Das bildhafte Erleben der Wirbelsäule schenkt eine natürliche Einordnung und Ruhe.” (Heinz Grill, Seelendimension des Yoga)

“Die Gleichgewichtsübung repräsentiert die Einkehr zum Aufbau einer Ruhe im Herzen. Für diesen Aufbau in der Herzmitte kann der Zusammenhang zur Wirbelsäule, die sich in der Rückenzone erleben möchte, lebendig erfahrbar gemacht werden.” (Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga, S.120)


Das Andreaskreuz

“Ähnlich wie bei tadasana, dem Baum gibt es bei dieser Übung ein Raumerleben nach außen und ein Raumerleben nach innen.”(Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga, S.134)


Das Andreaskreuz ist ebenfalls eine zentrierende Stellung. Der Körper formt mit Armen und Beinen ein Kreuz und steht auf den Zehenspitzen. Verbindet man Arme und Beine diagonal, so entsteht etwas unterhalb des Herzens der Schnittpunkt. Es entsteht durch die gestreckten Arme und Beine ein Erleben nach außen und zugleich durch den Schnittpunkt ein Erleben nach innen.


“Ein Gefühl für das Außen lässt sich bildhaft durch die Gliedmaßen, die sich wie Sinnesorgane in den Raum richten, erahnen.” (…) Die Aufmerksamkeit erfolgt ruhig in den Raum nach außen und ruhig zurück nach innen zur Mitte des Kreuzpunktes. Stelle sie sich den Raum außen nicht nur leer, sondern auch gebildet durch gegebene und getätigte Gedanken vor.” Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga, S.134)