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Die Seelendimension des Yoga


Das bildhafte Erleben des Körpers

Als Beispiel sei hier der Kopfstand vorgestellt. Wir formen im Kopfstand idealerweise eine klare vertikale Linie mit dem Körper. Indem man sich vor dem Ausführen des Kopfstandes ein Bild von einer klaren aufgerichteten, geraden Linie bildet und sich den Kopfstand in seiner vertikalen Form bewusst vorstellt, erzeugt man eine Vorstellung vom Kopfstand. Man denkt sich die Linie sehr konkret, sie beginnt am Scheitel, geht über den Hals und Rücken hinaus und steigt schließlich weiter mit den Beinen auf.

Der Körper ruht in dieser asana umgekehrt und in graziler vertikaler Form auf dem Kopf. Bereits vom Bilde her wie auch von der auszuführenden, dynamischen Phase zentrieren sich in dieser Stellung alle Energien auf die Region der Stirn. Dynamik, Konzentration, Aufrichtekraft, Gestaltungskraft, Zielstrebigkeit und Klarheit drücken sich in dieser asana aus” (aus: Der Kopfstand, Seelendimension des Yoga, Heinz Grill)

Aus dieser Vorstellung einer vertikalen Linie im Kopfstand entsteht ein seelisches Gefühl, eine seelische Empfindung zur Linie. Wenn diese Empfindung vorhanden ist, dann ist es sehr viel leichter und freier, den Körper in eine neue Form zu führen. Warum ist das so?

Indem man sich eine bewusste Vorstellung zum Kopfstand bildet, begegnen sich das Denken mit dem Wahrnehmen, es entsteht ein bewusst vorstellbares Bild zu der Form des Kopfstandes wie auch zum eigenen Körper. Man erlebt den Körper bildhaft. Man erlebt die neue Form des Körpers dann bereits, bevor man sie umsetzt. Und aus dieser Vorstellung kann man dann den Körper sehr viel freier und bewusster formen und führen lernen. Es ensteht damit ein neuer Bezug zu der Stellung, zu ihrer typischen Eigenschaft und Bewegung und zum eigenen Körper.


“Aus dem Prozess der Begegnung von Wahrnehmen und Denken entsteht das Bilderleben, der Körper wird bildhaft erlebt.” (Seelendimension des Yoga, Heinz Grill)


Durch eine seelische Empfindung entsteht ein freieres und leichteres Erleben gegenüber dem Körper und man kann den Kopfstand dann sehr viel freier umsetzen, es entsteht sogar Freude und der Wille nach der Umsetzung wird gefördert. Dieses Entwickeln eines seelischen Erlebens erzeugt ein Empfinden, dass von bleibendem Wert ist, sie erzeugt nämlich eine tiefere Beziehung zu der Bewegung des Kopfstandes selbst. In dem Buch der “Seelendimension des Yoga” beschreibt Heinz Grill die einzelnen Yogastellungen in ihrem seelischen Erleben und ihrem seelischen Sinnbildern. Durch diese Dimension des seelischen Erlebens einer Yogahaltung wird die rein körperliche Übungsweise überschritten. Es kommt die Ebene der Vorstellung wie auch der Empfindung zu der Übung hinzu. Man selbst gibt etwas zu der reinen Übung hinzu.

Die seelische Dimension resultiert aus der individuellen Auseinandersetzung und Beziehung zu einer Sache

Eine seelische Dimension kann man in den verschiedensten Bereichen des Lebens finden, es gibt sie ebenfalls im Kochen, in der Musik etc. . In eigentlich jedem Bereich kann man eine seelische Dimension entdecken. Es ist diese seelische Dimension immer von dem Menschen geprägt und seiner Beziehung, die er zu einer Yogaübung oder etwas anderen ausprägt. Diese seelische Dimension zeigt sich dann im individuellen Ausdruck. Aus der Arbeit, aus der persönlichen Auseinandersetzung resultiert ein seelisches Erleben, eine seelische Dimension. Es ist diese Dimension nicht durch eine Maschine ersetzbar, sie ist nur durch den Menschen erzeugbar und sie überträgt sich auf andere Menschen. Es ist diese Dimension, die ein andere Mensch an Erkenntnissen und Gefühlen zu z.B. einer Yogaübung entwickelt hat.

Diese seelische Dimension spiegelt sich im Ausdruck einer Yogaübung wieder. Die Beziehung die der einzelne Mensch zu einer Bewegung, zum Vorwärtsbeugen, zum Rückwärtsbeugen, zur seitlichen Bewegung, zur vetikalen Bewegung, zu den Gliedmaßen, zu seiner Wirbelsäule, etc. entwickelt hat, drückt sich dann in einer Yogaübung aus.

“Jede Übung besitzt neben der technischen Vollkommenheit auch eine ihr gemäße, von der Bedeutung und hineingelegten gedanklichen Aktivität getragene Expression. Diese Ausdrucksweise, diese Expression ist in diesem Yoga ein wichtiger Teil.” (aus: Die Entwicklung von Aufmerksamkeit, Konzentration und Beziehungsfähigkeit, Seelendimension des Yoga, Heinz Grill)


Die Bedeutung von einer Vorstellung auszugehen


Wie entwickeln sich diese seelischen Empfindungen? Wenn man von einer Vorstellung zur Übung ausgeht, geht man nicht von seinem subjektiven “Fühlen”, “Gespür” in einer Übung und auch nicht aus einem reine Probieren aus. Die persönlichen Ansichten sind meistens bei jedem Menschen jeden Tag immer anders, es sind bereits in einem bestehende Gefühle, die mit der Übung nichts zu tun haben müssen. Sie ändern sich sogar bei einem selbst und sind nicht von großer Beständigkeit. So hat man an einem Tag auf die Übung Lust und am nächsten Tag nicht, man weiss meistens oder eigentlich immer nicht warum. Es fehlt ein geistiges Ziel.


Die Vorstellung geht aus dem Objekt aus. Sie steht in Zusammenhang mit dem Objekt selbst. Man geht von einem geistigen Inhalt oder einer geistigen Idee aus die in einer entwickelten realen Beziehung zur Übung steht. Gegenüber den Yogaübungen hat Heinz Grill sehr viele objektive Beschreibungen zu Yogaübungen in dem Buch “Seelendimension des Yoga” beschrieben. Diese geistigen Inhalte sind zugleich ein erstrebenswertes Ziel, dem man sich immer mehr annähern kann.

“Die Mühe um eine gegliederte, konkrete und objektiver Anschauung führt denjenigen Bewusstseinsprozess nahe, der dem seelischen Leben entspricht.” (Die Seelendimension des Yoga, Yogapraxis und ihre Bedeutung, Heinz Grill)


Die kreative Tätigkeit als Yogalehrer Empfindungen zu erzeugen


Für den Lehrer ist das Erzeugen einer Empfindung von großem Wert, weil Schüler so sehr einfach und schnell lernen können. Als Yogalehrender kann man lernen, zu einer Bewegung und Yogahaltung für einen anderen Menschen eine Empfindung zu erzeugen, so dass für den Übenden eine Lebendigkeit, eine lebendige Vorstellung und ein Zugang zur Übung entsteht.


Indem man sich selbst mit einem konkreten Begriff wie zum Beispiel mit dem Begriff “Aufrichtekraft”, “Weite” oder “Differenziertheit”… auseinandersetzt und indem man ein Bild zu einer Übung nach klaren Kriterien studiert, kann man zu einer Yogaübung eine Empfindung erschaffen, ein lebendiges Gefühl. Durch dieses seelische Gefühl kann ein Mensch, der die Übung noch nicht gut kennt, einen Bezug zur Übung entwickeln.


Man erlebt durch diese Übungweise den Körper als Körper, das Gedankenleben und das Empfindungsleben als drei differenzierte Bereiche. Man selbst führt den Körper ausgehend von einer Vorstellung und daraus entstandenen Empfindung.

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